Therapist or Sitter — A conference on the role of support in Substance-Assisted Therapy

Datum/Uhrzeit:
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Ort:
Institut für Substanzunterstützte Therapie, Rotis (www.rotis.de)
Kalender:
IST

Inhalt

Die Substanzunterstützte Therapie hat sich in den letzten Jahren eine prominente Stelle in der wissenschaftlichen Forschung und Diskussion zurückerobert. In der öffentlichen Debatte äussern sich dazu meist Forschende aus dem akademischen Feld. Schwerpunkt ist und bleibt immer noch die Forschung.

Die Praktiker bleiben aus verständlichen Gründen immer noch meist im Untergrund und damit ungehört. Ihr Erfahrungsschatz findet daher auch noch nicht wirklich Eingang in den öffentlichen Diskurs oder die Forschung und damit paradoxerweise auch nicht in die öffentliche Diskussion um die Gestaltung von Therapiesettings. Ausnahmen sind die wenigen, die mit Ausnahmebewilligungen diese Therapieform praktizieren dürfen oder durften. Mit der Tagung soll versucht werden, praktische Aspekte der Therapie mit Psychedelika ins Zentrum zu rücken.

Die Tagung widmet sich einem zentralen Thema der Praxis der Substanzunterstützten Therapie. Es zeigt sich nämlich, dass in Bezug auf die Rolle der Begleitung durchaus sehr verschiedene Zugänge vertreten werden. Die einen, die sich mehr der therapeutischen Distanz verpflichtet fühlen, haben sich aus eher psychoanalytischen Wurzeln entwickelt und werden von denjenigen favorisiert, die Forschungssettings, in denen wenig Interventionen zulässig sind, als Therapiesettings verstehen. Andere kommen aus dem Umfeld des von Stanislav Grof entwickelten Holotropen Atmens, das die Rolle der Begleitung auf die des „Facilitators“ beschränkt. Wieder andere halten nicht nur in der Vor- und Nachbereitung, sondern auch während der Substanz-Sitzungen eine therapeutische Arbeit mit therapeutischen Interventionen für hilfreich. Sie sehen die Rolle des Begleiters als die eines mehr oder weniger aktiven Therapeuten. Diejenigen, die diesen Ansatz verfolgen, haben ein klares Verständnis der Besonderheit von therapeutischen Interventionen in Substanz-Sitzungen und wo und wie sie sich von Interventionen in anderen Therapien unterscheiden. Gerade diese Besonderheiten haben sich oft aus der Praxis entwickelt und stellen einen bedeutenden Fundus an Wissen dar. Diesen will die Tagung zugänglich machen. Ein Schwerpunkt – aber nicht der einzige – der Tagung liegt dabei auf Körperarbeit.

Programm

Die Tagung bietet Referate von erfahrenen Praktikern teilweise inklusive Demonstrationen ihrer Arbeit. Neben den Referaten ist ein intensiver Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmern vorgesehen. Auf diese Weise sollen auf konkrete Fragen konkrete Antworten gegeben und evtl. auch kontrovers diskutiert werden. Die Tagung versteht sich als Ergänzung zu Ausbildungen, die im wesentlichen akademisches Wissen vermitteln. Das zusammen genommen über 100 Jahre umfassende Erfahrungswissen der Praktiker bereichert und vervollständigt die Theorie und akademische Forschung und erschliesst deren praktische Umsetzung.

Referenten

Manuel Aicher, Leiter des Instituts für Substanzunterstützte Therapie, diverse Weiterbildungen (z. B. bei Ralph Metzner) in der Begleitung von Menschen in nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen, schamanische Initiation in Westafrika, Entwicklung des auf Stanislav Grof basierenden Ganzheitlichen Heilatmens: Wie unterscheiden sich Interventionen in der Substanzunterstützten Therapie von denen in  anderen Therapieformen? Viele verstehen die Befähigung zur Substanzunterstützten Therapie als einen Zusatz zu einer medizinischen oder psychotherapeutischen Ausbildung. In diesen Ausbildungen wird ein Umgang mit Klienten vermittelt, der in mancher Hinsicht nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen nicht angemessen ist. Im besten Fall wird damit das Potential der Substanzunterstützten Therapie nicht ausgeschöpft, im schlimmsten Fall wird Schaden angerichtet. Der Beitrag thematisiert mögliche Unterschiede in der therapeutischen Beziehung und in den Interventionen und wie sie sich praktisch auswirken.

Alessio Faggioli, Psychologe, Psychotherapeut, IT-Ingenieur: Präsentation des Attuned Relational Integrative Model (ARIM) — eine von Friederike Meckel Fischer entwickelte und von Alessio Faggioli weitergeführte Beziehungsmethode speziell für den therapeutischen Einsatz in substanzunterstützten Erfahrungen. Psychedelisch unterstützte Therapie eröffnet neue Wege in der psychischen Gesundheitsversorgung, indem sie neuroplastische Zustände fördert, die tiefgreifendes Lernen und emotionale Neuorganisation ermöglichen. Die Präsentation stellt ein integratives Modell vor, das die Adaptive Information Processing (AIP)-Theorie mit Erkenntnissen zur Wiederöffnung kritischer Lernphasen sowie einem somatischen Ansatz verbindet. Daraus entsteht das Attuned Relational Integrative Model (ARIM), entwickelt von Friederike Meckel Fischer und weitergeführt von Alessio Faggioli.  ARIM basiert auf der Annahme, dass psychedelische Zustände den Zugang zu bislang unverarbeiteten Erfahrungen erleichtern. Durch eine fein abgestimmte, nicht-direktive therapeutische Beziehung unterstützt der Ansatz adaptive Reprozessierung, affektive Ko-Regulation und Integration. Der/die Therapeut*in agiert dabei nicht als Interpret*in, sondern als präsent-zugewandte, resonante Begleitung. So können korrigierende Beziehungserfahrungen entstehen, die sich nachhaltig in den Alltag übertragen lassen

Sonia Gomes, PhD in Klinischer Psychologie, Dozentin für Somatic Experiencing®, Begründerin von SOMA Embodiment – ​​Emotionsregulation in der Traumatherapie: Trauma und klinische Implikationen. Wie Somatic Experiencing® in Kombination mit dem SOMA-Ansatz die Selbstregulation traumatisierter Menschen verbessern kann. Wir integrieren Atemübungen, Berührung und Bewegung in unsere klinischen Interventionen. Eine Demonstration der Arbeit ist möglich.

Joel Miguez, Somatic Experiencing® Practitioner, Soma Embodiment® Practitioner, Ayahuasca-Praktiker seit 40 Jahren: Anwendung von Soma Embodiment® und Somatic Experiencing® in Ayahuasca-Sitzungen. Meine Art, Menschen in Ayahuasca-Sitzungen zu unterstützen.

Manuela Mischke-Reeds, Somatic Trauma Psychotherapeut, Hakomi Therapeut, Gründer von Embodywise, Ko-Autorin von Embodied Psychedelic Therapy (veröffentlicht Oktober 2025): Wie man traumasensible Berührung in der psychedelisch unterstützten Therapie anwendet. Diese Präsentation untersucht ethisch sensible Berührung als klinische Intervention in der psychedelisch-assistierten Therapie und unterstützt die Regulation des Nervensystems, das Sicherheitsgefühl und die Integration in veränderten Bewusstseinszuständen. Ein kurzer praktischer Teil mit Demonstration ist ebenfalls enthalten.

Liliana Vasquez Mock, Psychologin mit über zwanzig Jahren Erfahrung in der Leitung verschiedener Settings für nicht-alltägliche Bewusstseinszustände, wurde direkt von Stanislav Grof ausgebildet. Sie ist Dozentin des Augmented Psychotherapy Training in Berlin, einer Psychotherapieausbildung für Ärzte und Psychotherapeuten, die sich zur psychedelischen Therapie weiterbilden möchten. Mitbegründer einer GMP-zertifizierten Produktionsstätte für medizinisches Cannabis in Kolumbien: Der Körper als Ko-Therapeut: Unterstützung somatischer Prozesse in in nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen. Diese Präsentation sieht den Körper nicht als Objekt der Intervention, sondern als aktiven Co-Therapeuten in nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen. Basierend auf einem integrativen klinischen Ansatz, der von somatischer Psychotherapie und holotropem Atmen® – heute als Grof Breathwork bekannt – sowie umfangreicher klinischer Erfahrung in substanzgestützten und schamanisch inspirierten Settings geprägt ist, wird untersucht, wie körperliche Prozesse, die therapeutische Erfahrungen regulieren, organisieren und auflösen, unterstützt werden können. Der Beitrag reflektiert kritisch die Rolle der Begleiterin und ihre unterstützende Funktion jenseits von Modellen therapeutischer Distanz oder direktiver Intervention und schlägt somatische Einstimmung als zentrale klinische Kompetenz in der Arbeit mit nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen vor.

Organisatorisches

Die Tagung wird in englischer Sprache abgehalten
Tagungsbeitrag €220, bei Anmeldung bis zum 28.01.26 €170, €140 für Fördermitglieder des Instituts für Substanzunterstützte Therapie, Studierende €120
Zwei Mittagessen und Pausenverpflegung sind im Tagungsbeitrag enthalten.
Anmeldung bis 25.04.26

Wenn Sie gerne möchten, dass wir Ihnen eine Übernachtung in der Nähe des Tagungsortes besorgen, teilen Sie uns das bitte in der Anmeldug mit, auch für welche Nächte.

Weitere Details werden folgen.

Zur Anmeldung hier.